Veröffentlicht am
12.5.2026
Minecraft Server - früher und heute
Die Möglichkeiten von heutigen Minecraft Servern sind mittlerweile grenzenlos geworden.
Ich weiß noch, wie ich mir damals Minecraft im Jahre 2011 in der sechsten Klasse gekauft habe. Das Spiel stellte damals alle Spielprinzipien auf den Kopf und man konnte sich in seiner Kreativität vollkommen ausleben. Die Grenzen schienen nahezu vollkommen verschwunden zu sein und man hatte das Gefühl, in seiner Welt alles tun und lassen zu können, was man wollte. Hier möchte ich mit euch einen (nostalgischen) Blick zurück in die Geschichte von Minecraft Servern werfen.
Die Anfänge
Die allerersten Minecraft Server waren definitiv in Minecraft Classic zu finden. Das war im Grunde genommen eine Browserversion von Minecraft, wo es nur eine beschränkte Anzahl von Blöcken gab. Man baute in einer Art Kreativmodus - nicht zu verwechseln mit dem heutigen Kreativmodus - und konnte so zusammen mit seinen Freunden seine ersten Bauvorhaben realisieren. Als dann die Minecraft Alpha erschien, wurden auch die ersten Minecraft Server mit der eigens dafür entwickelten Serversoftware langsam populär. Diese Serversoftware bestand aus einer einfachen Java-Anwendung, die man entweder als eigenes Fenster oder im Terminal von Windows oder Linux gestartet hatte. Plugins wie heute gab es natürlich noch nicht - den einzigen Schutz bot damals eine Whitelist bestehend aus einer Textdatei mit den Namen der erwünschten Spieler. Der Mutiplayer war damals natürlich noch fehlerhaft gewesen und wurde mit der Zeit immer besser.
Erstelle mir mal einen Eimer…
Mit dem Eimer aus dem Spiel hat das weniger zu tun. In der Minecraft Beta waren die Server mittlerweile deutlich performanter und zuverlässiger geworden, doch die Anforderungen an die Server stiegen auch immer weiter an. Gleichzeitig dachte man sich: Wenn man schon Minecraft selber mit zahlreichen Mods erweitern kann, warum sollte man dann auch nicht die Serversoftware selber erweitern? So kam es, dass es neben der offiziellen Serversoftware auch noch welche von Drittanbietern gab. Die bekannteste dürfte dabei Bukkit (zu deutsch: Eimer) mit seinen zahlreichen Plugins gewesen sein. Bukkit ermöglichte es nämlich, seinen Server mit so genannten Plugins um Funktionen zu erweitern. Das konnte eine einfache Befehlserweiterung für administrative Aufgaben sein, eine Zugriffsmöglichkeit auf Spielerinventare oder eben ein komplexes Rechtemanagement. Ich weiß noch, wie wir damals in der 6. Klasse vor Freude strahlten, als unser erster Bukkitserver funktionierte. In der Schule fragte mich mein Kumpel noch: “Hey, ich habe mir die Bukkit.jar heruntergeladen, aber ich bekomme immer diese Meldung von Java: ‘Das System kann den angegebenen Pfad nicht finden!’ - woran liegt das?” Als wir jedoch diesen Fehler behoben hatten (der Pfad zur Java Runtime war einfach falsch eingestellt), ging es erst richtig los. Wir erweiterten unseren Server um zahlreiche Funktionen wie einer zusätzlichen Himmelswelt oder neuen Rezepten oder - das bleibt mir besonders in Erinnerung - mit MoveCraft. Man konnte sich z.B. eine Art Raumschiff im Himmel bauen und mit einem Rechtsklick in die jeweilige Richtung bewegen, wo man hingeschaut hat. Dabei wurden die Blöcke pro “Tick” immer um 1 in die jeweilige Richtung bewegt.
Professionelle Server, die sich schon in die Richtung Kommerzialisierung bewegten, hatten bereits ein eigenes Rechtesystem auf ihrem Server installiert. Realisiert wurde das früher zum größten Teil mit PermissionsEx, worin man die Rechte der jeweiligen Spieler (wer darf was wo bauen) in eine .yml-Datei schrieb. Das sah damals in etwa so aus:
plugin:
permissions:
system: default
copies:
groups:
Default:
default: true
info:
prefix: ""
suffix: ""
build: false
inheritance:
permissions:
Member:
default: false
info:
prefix: ""
suffix: ""
build: true
inheritance:
- Default
permissions: -'craftbukkit.command.tell'
Moderator:
default: false
info:
prefix: ""
suffix: ""
build: true
Man musste hier ziemlich vorsichtig sein und das ausgiebig testen, denn aus eigener Erfahrung versuchen Spieler stets, irgendwelche Schwachstellen in der Konfiguration zu finden. Wenn man sehr viele Plugins auf seinem Server installiert hatte, war die Pflege der .yml-Datei eine richtige Fummelarbeit gewesen. Tabstops mochte sie damals überhaupt nicht gerne und ich erinnere mich noch, wie ich mit 14 Jahren Stunden vor dem Fehler gesessen habe, dass mein Server die .yml mit den dahinter liegenden Rechten einfach nicht erkennen wollte. Letztendlich lag es daran, dass ich Tabstops statt Leerzeichen verwendet hatte und der Parser damit nicht zurecht kam. Wenn man jedoch das System dahinter einmal verstanden hatte - und das war gar nicht so schwierig wie gedacht - dann konnte man auch auf seinem Kumpelserver Ränge erstellen und Rechte vergeben. Eigentlich bräuchte man so etwas wegen dem Operator-Rang nicht. Aber da Minecraft nur zwischen dem Admin (Operator mit allen Rechten) und dem Spieler unterscheidet, hatten 90% aller großen Server so ein Rechtesystem implementiert. Manche Plugins bzw. Befehle benötigten zwingend die Rechte vom Operator, obwohl das eigentlich gar nicht notwendig war. Daher wurde dieses Problem mit dem Rechteplugin wie PermissionsEx gelöst.
Der große Umschwung im Jahre 2014
Ich war damals in der 9. Klasse, als das passierte. In der Geschichte der Minecraft Server geschahen gleich mehrere Sachen gleichzeitig. Zunächst wurde Bukkit, auf denen die allermeisten Server liefen, nicht mehr weiterentwickelt. Der Grund war, dass mit der Minecraft Vollversion 1.8 viel Code im Spiel umgeschrieben wurde und die Anpassung von Bukkit dabei sehr lange dauerte. Die enorme anstehende Arbeit, der Zeitdruck, keine Bezahlung (Bukkit war schließlich ehrenamtlich entwickelt worden!), keine Unterstützung von Mojang und das Lizenzproblem mit der EULA sorgten schließlich dafür, dass man das Projekt für beendet erklärte. Natürlich erschienen nebenbei auch noch andere Ableger von Bukkit, mit denen man Server erstellen konnte. Die bekanntesten waren beispielsweise Spigot und Paper gewesen. Plugins für Bukkit funktionierten auch dort oder wurden für die neuen Ableger optimiert. Das war an sich kein so großes Problem, auch wenn es sich zunächst schlimm anhörte.
Viel gravierender war, dass Mojang im selben Jahr auch die EULA geändert hatte und man kein Geld mit Minecraft verdienen durfte - es sei denn, man hatte die Berechtigung von Mojang dazu. Viele Minecraft Server waren zu dem Zeitpunkt schon richtige kommerzielle Projekte gewesen. Es wurden gerade auf PvP-Servern Ränge gegen Echtgeld verkauft, die auch nützliche Items enthielten. Auch auf anderen Servern wurden Ränge gegen Echtgeld verkauft und man konnte sich das Leben auf dem Server mit dem einen oder anderen nützlichen Befehl einfacher machen. Oftmals wurde das als Spende deklariert und die Admins erklärten, dass das Geld zum Weiterbetrieb des Servers genutzt wurde. Einige Admins, die auf ihren Server mehrere hundert Spieler hatten, bestritten damit sogar ihren Lebensunterhalt. Sogar die bekannten Serveranbieter wie Nitrado und Co befürchteten drastische Konsequenzen wegen diesen Änderungen und die Community dachte, dass Minecraft mit der ganzen Freiheit untergehen wird. Es herrschte Panik.
Andererseits muss dazu gesagt werden, dass es durchaus viele Server gab, die auf den Verkauf von “Premiumrängen” ihr Geschäft aufbauten. Gerade bei PvP-Servern konnte man sich damit sehr unfaire Vorteile wie Fliegen, Teleportation und extrem stark verzauberte Items erkaufen. Ich denke, dass man dem einfach wenig Einhalt gebieten wollte.
Der Untergang blieb aus - zum Glück!
Minecraft ging glücklicherweise nicht wegen der neuen EULA unter, sondern wurde stetig weiterentwickelt. Auch die heutigen Server bekamen immer mehr Features und Funktionen, die man früher gar nicht für möglich gehalten hatte. Früher war es schon ein Highlight, wenn man mehrere Welten auf einem Server erstellen und per Portal miteinander verbinden konnte. Heute kann man sogar mehrere Server zu einem ganzen Netzwerk zusammenschließen und mit Portalen miteinander verbinden. Läuft man also in dem Spiel durch ein Portal, hat man nur das Gefühl, in eine andere Welt zu sein. Stattdessen hat man den kompletten Server gewechselt. Es wurden wie bei Garry’s Mod zahlreiche Minispiele hinzugefügt. Während man früher neben dem Server selber noch einen Teamspeak mitsamt Website und Forum betrieben hatte, haben Plugins heute die Möglichkeit, sich direkt mit Discord zu verbinden und sogar über Discord zu interagieren. Sprich: Man kann z.B. auf dem Discord des Servers Grundstücke oder Items im Shop kaufen. Die Rechte können bei dem Plugin LuckPerms problemlos im Browser per Drag & Drog in einem interaktiven Editor festgelegt werden, womit das mühsame Bearbeiten der .yml-Datei enthält. Es bleibt abzuwarten, was uns noch alles so bevorsteht. Ich werde in einer zukünftigen mehrteiligen Artikelserie aufzeigen, wie man sich bequem und einfach einen Server erstellen und dabei noch IT-Kompetenzen mitnehmen kann.