Linux statt Windows!

Veröffentlicht am
18.4.2026

Die Zukunft des Gamings

Pop!_OS Desktop Der Desktop ist bei Pop!_OS ist zwar etwas schlichter, dafür aber deutlich anpassbarer.

Als ich damals im Jahr 2004 meinen ersten Gaming-PC bekam, war noch Windows XP darauf vor installiert. Ich zockte darauf alle möglichen Spiele wie Gothic II oder Diablo II mitsamt dem Addon. Gleichzeitig war OpenOffice mein erstes Schreibprogramm und ich entdecke die Vorzüge einer professionellen Textverarbeitung gegenüber dem einfachen Editor wie Notepad oder WordPad. Das Betriebssystem war damals immer das, was es eigentlich sein sollte: Einfach, intuitiv und schnell. Diese Eigenschaften trafen insbesondere auch auf Windows 7 und Windows 10 zu, wobei Microsoft bei Letzterem stolz verkündete, dass dieses das letzte Windows überhaupt sein wird. Die IT-Abteilungen verschiedener Unternehmen jubelten.

Dann entschied sich Microsoft überrascht und völlig spontan, dass es doch ein neues Betriebssystem auf dem Markt braucht und kündigte stolz Windows 11 mit seinen vielen Neuerungen an. Als sich jedoch das Layout vollständig änderte und die Symbole der Taskleiste nun in der Mitte statt links waren sowie das Startmenü überhaupt nicht mehr nach Windows aussah, änderte ich meine Meinung und probierte mich das erste Mal an Linux - genauer gesagt an Pop!_OS. Dieses Betriebssystem wird von System 76 entwickelt, einem PC-Hersteller aus Colorado, der auch Gaming-PCs selber baut und vertreibt. Es gibt eine klassische Version als auch eine Version für NVIDIA-Systeme. Für den gewohnten Windows-Nutzer dürfte jedoch der Desktop von GNOME etwas gewöhnungsbedürftig sein. Allerdings ist das kein großes Problem, denn man kann Cinnamon ohne Probleme ganz einfach nachinstalleren und schon sieht der Desktop fast schon wie Windows aus.

Immer mehr Spiele werden unterstützt

Wer damals mit Linux versuchte, seine Lieblingsspiele darunter zum Laufen zu bekommen, musste sehr viele Möglichkeiten ausprobieren und unzählige “Tweaks” vornehmen, damit das Lieblingsspiel überhaupt läuft. Das dauerte ziemlich lange und wenn das Spiel ein Update bekam, dann konnte dieses sämtliche Änderungen sofort wieder zerschießen und man musste sich wieder erneut daran setzen, um das Problem zu beheben. Zwar versuchte Valve schon im Jahre 2013, einen eigenen Rechner mit Steam OS auf den Markt zu bringen, scheiterte jedoch1. Seitdem sind 13 Jahre vergangen und Steam hat mit dem neuen Steamdeck eine kleine Lavine ausgelöst: Jeder wollte sein Lieblingsspiel auch unterwegs im Bus oder in der Bahn spielen, der Markt des mobile Gamings wird auch von den “Großen” erschlossen und bleibt nicht nur langweiligen “mobile Games”, wo man ohnehin nur zur Kasse gebeten wird. Das führt dazu, dass immer mehr Spiele - wenn auch nicht alle - auch unter Linux laufen.

Ermöglicht wird das durch ein von Vale entwickeltes Framework namens Proton. Keine Angst, mit dem subatomaren Teilchen hat das nichts zu tun. Es handelt sich vielmehr um eine Schnittstelle zwischen Linux und Windows, wobei Wine hierbei als Basis verwendet wird. Dieses Programm kann man sich auch normal unter Linux installieren und ermgölicht, Windows-Programme unter Linux auszuführen (ich habe es so geschafft, die Gold Edition von Gothic II mit den vielen Mods zum Laufen zu bekommen), wobei Valve die Funktionen deutlich erweitert hat. So werden DirectX-Befehle direkt nach Vulkan übersetzt und man etablierte auch über die Zeit einen Anti-Cheat-Support.

Testet es selber. Mit der ProtonDB könnt ihr überprüfen, ob euer Lieblingsspiel auch unter Linux verfügbar ist. Ich hatte schon die Ehre gehabt, im ICE Hogwarts Legacy oder Super Battle Golf auf dem Steamdeck spielen zu können. Während Windows natürlich noch mit weitem Abstand an der Spitze liegt mit 92,33%, hat sich Linux inzwischen auf stolze 5,33% hochgearbeitet und es dürfte nicht mehr lange dauern, bis der Wert zweistellig wird. Das alles lässt sich in der Steam Hardware Survey nachlesen. Windows erlebte sogar einen Rückgang von 4,28%!

Weitere Vorteile gegenüber Windows

Im Gegensatz zu Windows ist Linux deutlich sicherer. Virenbefälle sind zwar theoretisch möglich, allerdings äußerst selten und nur dann, wenn man Sicherheitsmechanismen bewusst deaktiviert. Daher benötigt man in der Regel auf seinem System auch keinen Virenscanner. Außerdem ist Linux deutlich schlanker als Windows und bringt keine unnötige Bloatware mit, die das System unnötig aufblähen. Von der markanten Neugier seitens Microsoft brauchen wir erst gar nicht reden, ebenso wenig wie dem großen KI-Hype im Betriebssystem. Microsoft wird nämlich mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit Copilot in Windows 12 intergrieren und die Dateisuche soll ebenfalls “KI-Unterstützung” beinhalten. Deutlicher ausgedrückt: Copilot ließt dann eure ganzen persönlichen Dokumente!

Der größte Vorteil dürfte jedoch darin liegen, dass Linux im Gegensatz zu Windows komplett kostenlos ist und man sich um Lizenzen keine großen Gedanken machen muss. Sollte Microsoft wirklich eines Tages sogar auf die Idee kommen, Windows als Abo anzubieten (und das könnten sie theoretisch), dann wird das für die IT eine äußerst unschöne Zeit werden.

Welches Linux ist gut für Anfänger geeignet?

Für absolute Beginner empfehle ich Linux Mint, weil die Optik sehr stark an Windows angelehnt ist und man sich hier schnell zurecht findet. Pop!_OS ist allerdings auch eine gute Alternative. Wer Linux einmal ausprobieren möchte, kann sich mithilfe von Virtual Box einfach eine Virtuelle Machine erstellen und das Linux seiner Wahl einfach ausprobieren.

Fußnoten

  1. Steam Machines vor dem aus - Beitrag im Linux Magazin